von innen

Drei – Zwei – Eins – O – Und plötzlich ist alles anders

Nullpunkt – Endpunkt – Ausgangspunkt.

Ruhepunkt. Stillstand. Zentrierung. Besinnung.

Die Null als Pause – zwischen Ein- und Ausatmen.

Auf die Plätze – fertig – Reduktion!

Das kennen wir gut. Dieser Eins-Zwei-Drei-Countdown ist wie eine Beschleunigung ins Tun.

Was wir gerade erleben ist die rückläufige Dynamik davon.

Drei-Zwei-Eins … Pause.

Und plötzlich ist es möglich.

Alles wird auf das Notwendigste runter geschraubt.

Wieviele Jahre wurde überlegt wie man gewisse Dynamiken aufhalten könne. Wie oft wurde gewarnt, dass die Erde ausgebeutet wird.

Und plötzlich ist alles anders.

Keiner diskutiert mehr ob man Massnahmen setzen muss. Sie werden gesetzt – mehr oder weniger schnell.

Und plötzlich wird alles mögliche gemacht.

Gelder mobilisiert, Lösungen versucht zu finden und jeden Schritt aufs Neue geschaut, ob es in die richtige Richtung geht.

Viele von uns spürten schon lange vorher: so kann es nicht weiter gehen.

Wir als Menschheit haben aber gewartet. Und gewartet. Noch ein Stück drauf gesetzt. Noch ein bisschen mehr den Bogen überspannt. Es hat so lange funktioniert. Einmal noch und noch. Und… aus.

Wir beobachteten unsere Mitmenschen schon Wochen zuvor. Sahen die Hilflosigkeit auch dort – aber dort ist weit weg von uns. Dort ist noch nicht da.

Und wieder kurz nach alten Mustern gedacht.

 

Und plötzlich klopft es an der Tür.

 

Imaginäre Grenzen werden als Abtrennung zum Mitmenschen gesehen. Jetzt steht es vor unserer Tür.

Und plötzlich ist es da.

Erst jetzt rauchen Köpfe, sitzen Beratende zusammen und müssen mit etwas umgehen, das gerade noch dort war.

Und plötzlich ist alles anders.

Wir hier in Österreich sind bereits seit einigen Tagen mit Ausgangsbeschränkungen konfrontiert. Wir sollen soziale Kontakte meiden und nur wo nötig zur Arbeit gehen. Unternehmen brechen ein. Jobs haben von heute auf morgen keinen Bestand mehr. Ich kann von gefühlt heut auf morgen nicht mehr über die Grenze nach Deutschland – wo meine Liebsten sind.

Und plötzlich ist alles anders.

So vieles spürte ich die Tage: Angst, Verzweiflung, Sorge. Und das, obwohl ich ganz genau weiß, dass mir diese Emotionen nicht dienlich sind. Ich stehe aber mitten drin. Ich mag und kann nichts wegdrücken – auch das hab ich versucht. So vieles was in mein System reindrängt und vieles, dem ich mich nicht entziehen konnte.

Was ich aber auch spüre ist Verständnis, Vertrauen und sogar Liebe.

Es kommt in Wellen. Und ich sehe die Chance und die Notwendigkeit, mit all diesen unangenehmen Gesellen in mir umgehen zu lernen und die gute Seite der Medaille nicht aus dem Fokus zu verlieren.

Ich dachte ich hätte das schon durch – tja. Und plötzlich finde ich mich wieder – im Strudel des sich Überschlagendem.

Ich erkenne auch beschämt wieviele Rettungssyteme in mir auf mich allein und meine Liebsten abzielen. Ja klar – das ist zum Teil natürlich. Doch es gibt noch mehr als uns, als die Österreicher/innen, die Europäer/innen und den Mensch als solches.

Es gibt einen ganzen Planeten mit einer Vielfalt an Lebewesen und Organismen.

Und wenn ich die Videos von Delphinen sehe, die ausgelassen, beinahe erleichtert bis Triest kommen, also an die Orte des Menschen zurück, dann spüre ich Freude – ganz tiefgreifende Freude!

Wie arrogant ist es, nur unser Leid zu sehen, das zwar gerade brutal über uns hereinfällt aber wieviele Monate, Jahre, Jahrzehnte schon bringen wir Leid über diesen Planeten?

Über Tiere, Pflanzen und den ganze Rest der Opfer unserer unachtsamen Vergehen. Alle die konnten keine Schutzkleidung anlegen oder die Grenzen zu uns sperren. Die Natur konnte keinen Impfstoff entwickeln oder ist Corona etwa so etwas?

Ich gehöre selbst zur Gattung Mensch und seit meiner Kindheit hörte ich Wissenschaftler warnen: wir seien dabei unseren Lebensraum zu zerstören. Den Ort, den wir brauchen um zu leben. Diesen treten wir schon sehr lange mit Füßen, beuten aus ohne zu wissen welche Konsequenzen das haben wird. Und selbst wenn wir schon geraume Zeit erkennen, was wir anrichten, wir machten weiter.

Warum sollten wir auf etwas verzichten, wenn die Nachbarn es auch nicht tun? Wir verhalten uns auf vielen Ebenen von klein bis groß, von unten bis oben, wie trotzige Kinder.

„Ich mag aber.“ „Das gehört mir.“ „Du hast das aber auch gemacht.“

Wir sehen uns nicht mehr als Teil von etwas. Wir sehen uns. Was uns fehlt ist, als Teil von etwas Größerem zu agieren.

„Ich trenne Müll und esse Bio. Meinen 300 Ps Schlitten würde ich aber nie hergeben.“

„Wozu nachhaltige Baustoffe – das Geld brauche ich jetzt wo anders.“

„Ist doch alles gar nicht so schlimm wie sie sagen.“

„Das haben wir immer schon so gemacht. Warum sollten wir es jetzt ändern?“

Es war vielen von uns klar: das können wir nicht endlos spielen. Wir vergiften uns und unsere Natur, schlachten andere Lebewesen und meinen das „brauchen“ wir. Wenn bio oben steht, reiche das schon aus. Nein! Ein Wort ist zu wenig.

Verantwortung ist das, was es braucht. Verantwortung für uns, für unser Denken, unser Handeln und genauso für unser Nicht-Denken und Nicht-Handeln. Achtung auf alles was uns umgibt.

Gerne sehen wir uns als die höchstentwickelte Spezies auf dieser Erde. Echt jetzt? Warum gelingt es uns dann so wenig danach zu handeln?

Diese Krise schenkt uns Zeit. Wie nutzen wir sie?

Wir können das Haus renovieren, die Äcker umgraben, die Wandfarbe erneuern. Alles ok. Nur sollten wir vielleicht einmal kurz innehalten. Und nicht wo es noch möglich ist, altes Verhalten einfach weiter führen.

Was sind die wesentlichen Dinge im Leben? Was macht uns als Mensch aus? Wie gehen wir mit unseren Möglichkeiten um?

Nichts wird mehr so sein wie es war.

Diesen Satz habe ich die letzten drei Tage öfters gelesen.

Er schreckt und doch bleibt zu hoffen, dass es so ist.

So wie wir getan haben, dürfen wir nicht weiter tun. Und dafür braucht es Einkehr.

Ruhe. Nichts tun. Wahrnehmen. Fühlen. Aushalten. Zulassen. Dahinter sehen. Neues entstehen lassen.

Politiker und Entscheidungskräfte haben indes wenig Zeit zum Innehalten – es muss gehandelt werden. Mögen sie die richtigen Entscheidungen treffen und geführt sein.

Halten wir den Raum und seien wir achtsam, bewusst und trennen nichts mehr ab, was wir nicht sehen, fühlen oder wahrhaben wollen.

Auch die Angst darf nicht runter gedrückt werden. Sie braucht Wege wo sie auslaufen darf. Alles will gesehen werden und nichts verurteilt.

Ich wünsche mir in allen Belangen mehr Integration statt Separation.

Auch wenn die aktuellen Massnahmen viele Grenzen setzen und Beschneidungen, im Innen sollten wir anfangen Verbindungen zu schaffen.

Ich wünsche mir eine Welt die näher zusammenrückt.

Nicht nur Menschen, die sich unterstützen – egal ob in oder ausserhalb meiner Landesgrenze. Wo es Leid gibt sollten wir nicht wegsehen und es persönlich nehmen und keine Länder mehr benachteiligen. Keine Hilfsgüter stoppen. Nicht abwarten, bis es ins eigene Land kommt. Mehr aus den Erfahrungen der Anderen lernen und immer neu das Andere zulassen.

Ich freue mich für die Natur, die gerade ihren Platz wieder findet und zum Durchatmen kommt.

Ich wünsche uns aber auch, dass wir das gut meistern und die Verluste am Ende des Wegs nicht umsonst waren.

Jede und Jeder von uns kann jetzt dazu beitragen unsere Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Kraft, Liebe und Heilung für den ganzen Planeten!

 

 

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