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von innen

Warum sich mit dem Sterben auseinander zu setzen – lebendig macht

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Allerseelen – die Zeit im Fokus der Seele.
An diesen Tagen gedenkt das Christentum den Verstorbenen, AllerHeiligen und AllerSeelen. Familien versammeln sich vor den Gräbern ihrer Liebsten, die nicht mehr unter uns weilen und beten für diese.

Allein das Wort Tod, lässt viele von uns etwas flacher atmen. Schon in meiner Jugend und Ausbildungszeit erlebte ich, dass allein schon dieses Thema anzusprechen, vielen das blanke Entsetzen ins Gesicht jagte. „Wie kannst du nur in deinem Alter schon über das Sterben nachdenken?“ Ich fragte innerlich zurück: „Wie kannst du nicht über das Sterben nachdenken, denn das ist ein fixer Bestandteil unseres und auch deines Lebens?!“

Alles da draußen ist Geburt und Tod, Wachsen und Absterben, Ende und Neubeginn. Leider verbinden wir den Tod meist mit etwas, dass wir so lange wie möglich nicht konfrontieren wollen, weil es nichts Positives für uns bereit hält – scheinbar. Ich denke aber, dass gerade die Bewusstmachung der Endlichkeit (zumindest im physischen, weltlichen Sinn) uns erinnern könnte, wie wertvoll unsere Zeit hier ist. Dass wir nie wissen, wann wir oder die Menschen die uns umgeben gehen. Würdest du noch in einem Job bleiben, der dich nur noch auslaugt? Würdest du weiterhin einen Menschen, der dir lieb war oder ist, ignorieren aus bloßer Unsicherheit wie er darauf reagieren könnte, wenn du dich zum Beispiel entschuldigst für etwas, dass dir noch immer sehr leid tut? Würdest du vielleicht der Frau vom Café um die Ecke sagen, dass du sie wunderschön findest und sie gerne zum Essen einladen möchtest? Was würdest du vielleicht anders machen, wenn du wüsstest du hast noch zwei Monate zu leben?

Ich nehme mir diese Frage immer wieder mal heran, wenn ich nicht weiß, wie ich mit bestimmten Situationen und Menschen umgehen soll – oder einfach wie ich mich mir gegenüber verhalten will. Oft sind wir so gelenkt von äußeren Belanglosigkeiten, alten Sehnsüchten, vergangenen Kränkungen die noch in uns scharren und uns zurück halten, unseren Herzensangelegenheiten zu folgen oder diese zu klären.

Wie oft habe ich Menschen vor Gräbern stehen sehen und sagen: „Hätte ich ihm/ihr noch sagen können wie sehr ich sie liebte oder wie leid es mir tat – ich konnte nicht anders und war zu feige die Situation zu klären. Oder: Ich wollte immer nur geliebt werden von meinem Vater, ich wollte dass er stolz auf mich ist. Aber die Firma wollte ich nie. Ich hätte ihm gerne gesagt, was wirklich in mir vorgegangen ist.“ Dinge wie das, unausgesprochene Bekenntnisse, ungetätigte Taten, womöglich einfach eine ehrliche Umarmung… Und eines wird uns am Ende unserer Tage auch klar: Es wird dir keiner danken, dass du dein Leben an die Bedürfnisse anderer adaptiert hast. Es hilft keinem, dass du dir deine Lebendigkeit nimmst, um jemanden einen Liebesdienst zu erweisen. Am Ende wird es uns nicht zufriedener machen, wenn wir die Hand geschüttelt bekommen und gesagt: Danke, dass du mein Leben gelebt hast und nicht dein eigenes. Aber du selbst wirst dich fragen: Wozu? Bin ich nicht genau dafür da gewesen? Lebendig zu sein – mein Leben zu leben?

Eine der bemerkenswertesten Erkenntnisse in meiner Arbeit im Pensionistenheim ist, egal wie erfolgreich oder nicht ein Mensch war, ob verheiratet oder geschieden, mit Kindern oder kinderlos, das was sie oder er am Ende bereuten, waren nicht die Fehler, die sie machten. Es waren die Dinge, die sie nicht gemacht haben. Bedürfnissen, denen sie nicht gefolgt sind. Gespräche, die sie nicht geführt hatten. Beziehungen, in denen sie blieben, weil sie sich verantwortlich fühlten – ihren Kindern gegenüber, der Frau, dem Mann, der Gesellschaft. Menschen, denen sie nie sagten, wie sie empfinden… Den Fokus wegzulenken, von dort, wo die Möglichkeiten sind, bei uns selbst anzukommen. Dinge, die man nicht wagt, aus Angst Abwertung, Ausgrenzung oder sogar Scheitern zu erfahren. Denn all das, macht uns im ersten Moment Unbehagen. Langsam absterben tun wir aber durch Verharren in scheinbaren Sicherheiten, scheinbaren Erfolgen, in privaten und beruflichen, nur um nicht zu riskieren, runter zu fallen. Aber ist das Leben? Das Leben ist ein sich verändern, ein Wachsen. Jede Pflanze wächst und stirbt um dann wieder neu auszutreiben. Ich denke nicht, dass wir da sind um in eine Situation rein zu wachsen, die wir vielleicht irgendwann dachten, dass uns diese gut tut und dann dort sich festzumachen. Wie oft schnüren wir uns dadurch unsere Lebendigkeit ab?

Ich finde diese Tage, wo die Nächte länger werden, die Luft kühler und die Natur sich zurück zieht, sind eine wundervolle Zeit auch für uns sich in uns zurück zu ziehen und zu lauschen. Ein Jahr steht wieder kurz vor dem Ende und es ist Zeit unseren Seelen zu gedenken. All denen, die uns umgeben und umgeben haben und aber auch unserer eigenen. Wie lebendig bist du in all dem, was du dir versuchst einzurichten? Wie viel von dem was wir uns zurecht legen wollen, macht uns wirklich lebendiger oder fixiert uns an ein Ziel, getrieben durch ein Bedürfnis, das womöglich nicht einmal dein Eigen ist?

Ich wünsche dir stille aber lebendige Tage, an denen du nicht nur die Gräber im Aussen besuchst, sondern auch mal zu deinen innewohnenden,  abgestorbenen Teilen vorbeischaust. Gibt es auch da unausgesprochene Worte und zurückgehaltene Taten? Vielleicht möchten manche davon wieder ins Leben zurück geholt werden.

Denn, dass wir sterben, ist eines der wenigen Dinge, die ganz gewiss und unvermeidbar sind. Nur wie du dann zurück blickst auf dein Leben und wieviel du bis dorthin ins Reine gebracht hast – ist ganz frei und ganz allein deine Kreation!

„Am Ende eures Lebens werdet ihr wissen, dass nichts von dem, was ihr getan habt, eine Rolle spielen wird, sondern nur, wer ihr bei eurem Tun gewesen seid.“ Donald Walsch

 

4 comments

  1. Ganz stark, inspirierend und tief!! – Innigsten Dank!!!
    Elger

    1. Danke dir lieber Elger!! Das freut mich zu tiefst! Ich wünsche dir einen ebenso inspirierten und ganz starken Tag!

  2. Wunderbar wegweisende Gedanken.
    Die Auseinandersetzung mit dem Thema Tod habe ich im Laufe meines Lebens auch als gewinnbringend empfunden.
    Andreas

    1. Lieber Andreas – schön, dass auch du zu diesem Thema deine Gewinne finden konntest! Einen lieben Gruß!

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